Du willst Bürgergeld beantragen und weißt nicht, wo du anfangen sollst? Diese Anleitung führt dich Schritt für Schritt durch den Antrag – von der Anmeldung beim Jobcenter bis zum ersten Bescheid.
1. Wer hat Anspruch auf Bürgergeld?
Bürgergeld (früher Arbeitslosengeld II / „Hartz IV") bekommt, wer
- mindestens 15 Jahre alt und noch nicht im Rentenalter ist,
- seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat,
- erwerbsfähig ist (mindestens 3 Stunden pro Tag arbeiten kann) und
- hilfebedürftig ist – also den Lebensunterhalt nicht selbst decken kann.
Auch Menschen mit kleinem Einkommen oder in Ausbildung können aufstockend Bürgergeld erhalten. Wer dauerhaft nicht mehr arbeiten kann, ist meist beim Sozialamt (Grundsicherung) richtig.
2. Wo stellst du den Antrag?
Zuständig ist das Jobcenter an deinem Wohnort. Du kannst den Antrag online über jobcenter.digital, persönlich im Jobcenter oder per Post stellen.
Wichtig: Der Anspruch beginnt ab dem 1. des Monats, in dem du den Antrag stellst – auch wenn du erst formlos anrufst oder eine E-Mail schickst. Verzichte also nicht auf eine schnelle formlose Meldung, wenn du das ausführliche Formular noch nicht ausgefüllt hast.
3. Checkliste: Diese Unterlagen brauchst du
Halte diese Dokumente bereit – wer alles auf einmal einreicht, bekommt den ersten Bescheid deutlich schneller:
- Personalausweis oder Pass mit Meldebescheinigung
- Steuer-Identifikationsnummer aller Personen im Haushalt
- Sozialversicherungsausweis
- Mietvertrag und aktueller Nachweis über Miete und Nebenkosten
- letzte Heiz- und Betriebskostenabrechnung
- Kontoauszüge der letzten 3 Monate (aller Konten)
- Nachweise über Einkommen: Lohnabrechnungen, Elterngeld, Kindergeld, Unterhalt, Renten
- Nachweise über Vermögen: Sparbücher, Depots, Lebensversicherungen, Fahrzeuge
- Krankenversicherungsnachweis
- gegebenenfalls Kündigungsschreiben, Arbeitsvertrag, Bescheid über Arbeitslosengeld I
- bei Kindern: Geburtsurkunden
4. Die wichtigsten Formulare
Der Bürgergeld-Antrag besteht aus einem Hauptantrag und mehreren Anlagen:
- Hauptantrag (HA) – persönliche Daten, Wohnsituation
- Anlage KDU – Kosten für Unterkunft und Heizung
- Anlage VM – Vermögen
- Anlage EK – Einkommen
- Anlage KI – Angaben zu Kindern
- Anlage WEP – für weitere Personen im Haushalt
Bist du selbstständig, kommt noch die Anlage EKS hinzu.
5. So läuft das Verfahren ab
- Antrag stellen – formlos reicht für den Fristbeginn, das komplette Formular kannst du nachreichen.
- Termin im Jobcenter – meist innerhalb weniger Wochen. Bring alle Unterlagen mit.
- Prüfung – das Jobcenter berechnet Regelbedarf, Wohnkosten und rechnet Einkommen sowie Vermögen an.
- Bewilligungsbescheid – meist für 12 Monate. Prüfe ihn sorgfältig (siehe Ratgeber „Jobcenter-Bescheid prüfen").
- Weiterbewilligung – rechtzeitig vor Ablauf einen Folgeantrag stellen, sonst reißt die Zahlung ab.
6. Häufige Stolperfallen
- Kontoauszüge unvollständig einreichen. Es müssen alle Seiten aller Konten für 3 Monate sein – auch Sparkonten. Einzelne sensible Ausgaben (z. B. Spenden an Kirchen oder Parteien) darfst du schwärzen.
- Vermögen falsch angeben. Es gibt Freibeträge (aktuell 40.000 € pro Person im ersten Jahr, danach 15.000 €). Trotzdem gehören alle Konten in die Anlage VM.
- Wohnkosten nicht belegen. Ohne Mietvertrag und aktuelle Nebenkostenabrechnung setzt das Jobcenter Pauschalen an – meist zu deinem Nachteil.
- Einkommen zu spät melden. Änderungen (neuer Job, Trinkgeld, Nachzahlungen) sofort melden. Sonst drohen Rückforderungen.
- Freibeträge übersehen. Vom Erwerbseinkommen bleiben mindestens 100 € Grundfreibetrag und weitere Beträge anrechnungsfrei. Prüfe im Bescheid, ob sie korrekt abgezogen wurden.
- Mehrbedarfe vergessen. Alleinerziehung, Schwangerschaft, Behinderung oder kostenaufwändige Ernährung können den Bedarf erhöhen. Aktiv im Antrag angeben.
7. Was zahlt das Jobcenter?
Das Bürgergeld besteht aus mehreren Bausteinen:
- Regelbedarf für Ernährung, Kleidung, Strom, Freizeit
- Kosten der Unterkunft und Heizung (KdU) in angemessener Höhe
- gegebenenfalls Mehrbedarfe und einmalige Leistungen (z. B. Erstausstattung Wohnung, Schulbedarf)
Die aktuellen Regelsätze findest du auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit. Sie werden jedes Jahr angepasst.
8. Wenn der Antrag abgelehnt wird
Gegen jeden Bescheid kannst du innerhalb von einem Monat schriftlich Widerspruch einlegen. Ein kurzer Satz reicht, die Begründung kannst du nachreichen. Widerspruch und Sozialgerichtsverfahren sind für dich kostenfrei. Unterstützung bekommst du bei Sozialverbänden (VdK, SoVD), Verbraucherzentralen oder unabhängigen Erwerbslosenberatungen.
9. Wo bekommst du Hilfe beim Ausfüllen?
- Sozialverbände wie VdK oder SoVD – geringer Mitgliedsbeitrag
- Erwerbslosen- und Arbeitslosenberatungen der Kirchen und Wohlfahrtsverbände
- Verbraucherzentralen
- das Jobcenter selbst – frag nach einem Beratungstermin
Und wenn ein Bescheid oder eine Nachfrage vom Jobcenter unverständlich formuliert ist, kannst du ihn bei Briefbegleiter in einfacher Sprache erklären lassen – bevor eine Frist verstreicht.